Theater an der Ruhr

In der Spielzeit 2011/2012 erwartet Sie folgendes Programm:

Was ihr wollt

William Shakespeare
Regie: Karin Neuhäuser
Premiere: 21./22. September 2011

In Illyrien, einer kleinen Stadt am Meer, sind alle so verrückt, dass es verrückt wäre, nicht ebenso verrückt zu sein. Fremde sind willkommen; solange sie nicht auffallen und zur Absicht des Regierungschefs passen. Die ist einzig, die Liebe der schönen Olivia zu gewinnen. Für dieses Vorhaben hofft Orsino auf die Unterstützung des jungen Cesario, der eigentlich ein Mädchen ist, Viola heißt, und nach einem Schiffbruch an der Küste Illyriens gestrandet ist. Deren Atmosphäre wird von der übertriebenen Selbstinszenierung der Illyrer vergiftet.

Nicht Ehrlichkeit zählt, sondern nur ein gekonnter Auftritt. Für die aufrichtige Viola, die als einzige gezwungen ist, sich zu verstellen, um als Mann getarnt ihren nach dem Unglück vermissten Zwillingsbruder suchen zu können, wird die Verschmelzung mit dem von der Gesellschaft auferlegten Rollenbild mit ihrem eigenen Ich besonders schwierig, als sie für Orsino um Olivia werben soll.
Selbst in ihn verliebt, bemüht sie sich für ihren Herrn so sehr, dass sich Olivia wiederum in Viola in Gestalt des hübschen Cesarios verliebt.
Der Liebeswirrwarr ist umso schwerer zu durchschauen, als nicht nur bald nicht mehr klar ist, wer wen liebt, sondern auch, wer man selbst ist, und wer ist eigentlich der Andere, wenn man nicht hinsieht?

Inszenierung und Dramaturgie: Karin Neuhäuser
Bühne: Gralf-Edzard Habben
Kostüme: Tina Kloempken
Musikalische Leitung: Matthias Flake


KAOS

nach Motiven von Luigi Pirandello
Regie: Roberto Ciulli
Premiere: 19./20. Oktober 2011

Wenn sich eines der Motive Pirandellos als leitend benennen läßt, dann ist es das der Einbildungskraft. Ist das, was im Moment geschieht, von einem selbst gewollt oder entspringt es dem Eigenwillen des Körpers? Ist es real oder nur vorgestellt? Läßt sich zwischen dem, was wir als wirklich empfinden und dem, was in unseren Vorstellungen, in unseren Träumen erscheint, tatsächlich ein großer Unterschied auszumachen?

"Man muss nicht alles vernünftig erklären. Davon leben wir hier. Uns fehlt alles, aber wir haben die Zeit ganz für uns: unergründlicher Reichtum, Überfluss an Chimären. (...) Von nichts kann man nicht leben, daher die unaufhörliche himmlische Trunkenheit. Wir atmen Märchenluft. Wir hören Stimmen, Gelächter; wir sehen aus jedem schattigen Winkel Zaubergestalten auftauchen. (...) Wir erfinden die Gestalten nicht, unsere Augen sehnen sie herbei. Luigi Pirandello, "Die Riesen vom Berge"

In der inszenierung von Roberto Ciulli improvisiert das Ensemble des Theater an der Ruhr Elemente der Themen, mit denen sich Luigi Pirandello in seinen Theaterstücken und Novellen zeitlebens auseinandergesetzt hat.

Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Helmut Schäfer
Bühne: Gralf-Edzard Habben
Kostüme: Heinke Stork


Verbrechen

Luigi Pirandello
Regie: Roberto Ciulli
Premiere: 23./24. November 2011

Spät erst hat sich Luigi Pirandello (1967-1936) entschieden, für das Theater zu schreiben, um dann nach dem Ersten Weltkrieg der Erneuerer des europäischen Theaters zu werden. In den zwanziger Jahren schon wurden seine Texte weltweit gespielt und gehörten zur Avantgarde dieser Zeit. Als er 1934 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hatte er weit über 300 Novellen, einige Romane und mehr als fünfzig Theaterstücke geschrieben.

In nahezu all seinen Texten verfolgt Pirandello den Gedanken, dass zwischen der zivilen Form des Umgangs in der bürgerlichen Welt und der inneren Natur des Menschen ein unlösbarer Konflikt existiert.

In den Stücken, die das Theater an der Ruhr in der Spielzeit 2011/2012 vorstellen wird, nimmt Pirandello Menschen in den Blick, denen die Fähigkeit der Selbstbestimmung fehlt und die letztlich von ihren Trieben und Affekten regiert werden, deren Beherrschung ihnen gründlich mißlingt. Insofern kennt jeder nur den Schein des Anderen, sein Wesen läßt sich nicht erkennen. Somit ist auch das mögliche Verhalten eines anderen Menschen nicht vorhersehbar, es kann wie in "Verbrechen", auch mit Mord enden.

Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Helmut Schäfer
Bühne: Gralf-Edzard Habben
Kostüme: Heinke Stork


Immer noch Sturm

Peter Handke
Regie: Roberto Ciulli
Premiere: April 2012

Kärnten im Süden Österreichs an der Grenze zu Slowenien: hier trifft der Ich Erzähler, dessen Nähe zu Peter Handke nicht zu übersehen ist, zwischen 1836 und 1942 seine Familie, die Großeltern, seine Mutter und deren Geschwister, die allesamt nun jünger sind als der 1942 geborene Autor.

Es verweben sich die Geschichten: die der Familie mit der politischen; der Annexion Österreichs 1938 durch das Dritte Reich folgt die einzige Partisanenbewegung gegen die Nationalsozialisten durch die slowenische Minderheit in Kärnten. Es verweben sich aber auch die Genres: Prosa und Drama verschwistern sich zu einem sprachmächtigen Text, den die größte Kunst des Schreibens auszeichnet, die Einfachheit.

"Immer noch Sturm" dieser Satz zitiert Shakespeares König Lear auf der Heide, hier das Jaunfeld mit seinen Apfelbäumen, von deren Ernte die Vorfahren des Autors unter anderem lebten. Die Erinnerungen des Erzählers durchmischen sich mit Geträumtem, mit Vorstellungen und beschwören kraft der Poesie des Textes Gestalten hervor, die wirklich unwirklich die Szene bevölkern.

Und die politische Geschichte dieser europäischen Region, das zeigt der Blick zurück auf die letzten Jahrhunderte, hat ihre Konflikte nicht zuende gebracht.

Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Helmut Schäfer
Bühne: Gralf-Edzard Habben


Weiße Nächte 2012

Sommer 2012 – das genaue Datum wird noch bekanntgegeben

Die "Weißen Nächte" im Raffelbergpark gehören seit vielen Jahren zum festen Bestandteil der Mülheimer Kultur. Sie sind über Mülheims Grenzen hinaus als Sommer-Festival bekannt.

Seit dem Sommer 2003 – damals aus der Not einer Hitzewelle entstanden, während derer der Theatersaal unbespielbar war – finden die für Besucher kostenlosen Theaterabende unter freiem Himmel jährlich im illuminierten Raffelbergpark statt. Rund 4.000 Gäste pilgern pro Festival in lauen Nächten in den Park, um die beliebten Inszenierungen von Dreigroschenoper bis Kaufmann von Venedig mitzuerleben.