Stimmen

DIE VERWANDLUNG

Steffen Tost, Neue Ruhr Zeitung 19. September 2014

"Regisseur Albrecht Hirche, Dramaturg Sven Schlötcke und die Schauspieler des Jungen Theaters haben große Anstrengungen unternommen, um das Interesse der jungen Zielgruppe zu wecken, was auch sehr gut gelungen ist. Das fängt schon damit an, dass die Bestuhlung auf der Bühne die Zuschauer unmittelbar ans Geschehen rückt und die Schauspieler immer wieder auch in den Zuschauerreihen agieren. Das Stück ist als überdrehte Groteske angelegt. Die Komik ist bei aller Tragik der Handlung schon in der 1912 verfassten Erzählung von Franz Kafka angelegt. Kafka wählt für diese fantastische Verwandlung eines Menschen in einen Käfer einen betont sachlichen, lakonischen Ton. Auf der Bühne steigert die Inszenierung nun diesen komischen Effekt, ohne sich dabei allzu oft von den Kafka-Texten zu lösen."


Wolfgang Platzeck, Westdeutsche Allgemeine Zeitung 19. September 2014

"Auch Gregor Samsa „funktioniert“ nicht, seine Existenz ist die eines Außenseiters, der die Normalität gefährdet. In seiner für das Junge Theater erarbeiteten Inszenierung, die das Groteske in herrlich schrägen Bildern herausstellt und gleichzeitig voller Poesie ist, legt Hirche (auch Bühnenbild) einen gewissen Schwerpunkt auf die familiäre Ausgangssituation. Solidarität, Empathie könnten Gregor vielleicht retten. Doch so wenig, wie dieser sich selbst seinen Zustand zu erklären vermag („Wie einen Menschen so was nur überfallen kann“), so wenig ist die Familie bereit und in der Lage, das „Fremde“ zu akzeptieren. „Es muss weg!“, konstatiert die Schwester. Dabei hat jeder durchaus seine eigenen Verweigerungsträume. Das „Fremde“ ist in jedem angelegt. Es tritt nur nicht bei jedem zutage."


Klaus Stübler, Ruhrnachrichten 19. September 2014

"Ja, Gregor-Darsteller Marco Leibnitz hat sich wirklich in ein gewaltiges gepanzertes Insekt verwandelt. „Als Autoimmun-Reaktion gegen die eingepflanzte Selbstausbeutung, freiwillige Unterwerfung und totale Funktionalisierung seiner Person“, so Dramaturg Sven Schlötcke. Albrecht Hirche inszeniert die theaterwirksam aufbereitete Erzählung witzig-skurril und mit direkter Ansprache des mit auf der Bühne sitzenden Publikums. Thematisch gut ausgewählte und vom Ensemble auch ohne Begleitung gnadenlos gut gesungene Popsongs dienen als Identifikationsfläche für Jugendliche und lassen sie die von ihnen als Zentralabi-Stoff zu lesende „Verwandlung“ besonders sinnlich erleben."