Stimmen

ETWAS ANDERES MACHEN

Gerd Bracht, WAZ 08. Juni 2015

Offensichtlich orientierungslos tappen acht junge Akteure über die dunkle Bühne, laufen hin und her, bleiben auch mal kurz stehen. Zudem scheint irgendetwas in ihren Bewegungen nicht zu stimmen. Hier fehlt ein Schuh oder gar alle beide, dort schlingert jemand in zwei völlig unterschiedlichen Stiefeln durch die Gegend. Andere wieder scheinen körperliche Probleme zu haben. Niemand scheint in der ersten Szene von „Etwas anderes machen“ so ganz mit sich im Reinen zu sein. [...] <br> Diese Szene ist nicht die einzige, die mit großer Emotionalität die Leiden, Hoffnungen aber auch die Komik des Erwachsenwerdens ausspielt. Das Aufeinandertreffen von „Leonce“ und „Lena“ wird zu einer dichten heiter-melancholischen Szene. Fast schon erwachsen bewegt sich diese Lena mit ihrem auffälligen Kleid und kräftigem Lippenstift. Ihr Gegenüber erscheint dagegen noch jungenhaft, unscheinbar und doch sehr präsent. Und dann schafft er es auch noch, seine Augen im entscheidenden Moment zum Leuchten zu bringen! Es gibt eine ganze Reihe anrührender Momente in dieser Inszenierung. Am erstaunlichsten ist jedoch, wie sicher und selbstbewusst sich die ganze Gruppe über die Bühne bewegt. Es schafft wirklich jeder und jede, das Publikum anzusprechen und für seine Figur zu interessieren. Das ist die große Stärke eines Stückes, das auch Erwachsene erreicht.