Stimmen

CLOWNS 2 1/2

Frank Becker, Musenblätter, 23. November 2015

Wenn sich die unterschiedliche Truppe unter dem Dach der nachgestellten französischen Revolution von 1789 vereint, sich mit dem Haka der Maori dem freundlichen Pfleger entgegenstemmt oder gemeinsam einen magischen Kleiderschrank aufbaut, welcher Pfleger und den in Alfred-Hitchcock-Manier zufällig über die Bühne spazierenden Regisseur verblüfft, offenbart sich die wichtige Botschaft: gemeinsam geht es besser, geht alles besser. Ein trotz allen „Mit-Leidens“ heiterer Clowns-Blick in phantasievollen Bildern auf das Unvermeidliche, das Altern, eine tragikomische musikalische Revue, die von den sichtbar ergriffenen Gästen mit etlichen Vorhängen gefeiert wurde. Chapeau! Bravi!


Jutta Schreiber-Lenz, Solinger Tageblatt, 29. Oktober 2015

Schauspielkunst in Höchstform mit viel Spiellust und liebevollem Augenzwinkern gegen die Bitterkeit des Alterns. Ein sehenswertes Stück mit enormem Tiefgang, das auch noch schmunzeln lässt.


Augsburger Allgemeine, Alexandra Lutzenberger, 19. Mai 2015

Was jetzt ins Spiel kommt, ist ein anarchischer Eigensinn, der alles ein wenig aus dem Ruder laufen lässt. Wunderschöne und sehr skurrile Bilder lässt Ciulli hier entstehen, etwa wenn die ganze Clowngruppe zusammen einen Film ansieht. Ein Höhepunkt der Inszenierung, denn hier kann man sich gar nicht sattsehen am Mienenspiel der Schauspieler. Das Theater an der Ruhr verfügt nicht nur über hervorragende Schauspieler, sondern auch über ganz besondere Typen, es macht einfach Spaß zuzuschauen.


Patricia Fleischmann, Südwest Presse, 17. März 2015

Eine Gaudi, die jedes Fernsehprogramm locker wettmacht. Mimik und Geste hoch sieben. Soll mal einer kommen und durchs Bild laufen - der Ärger des Septetts ist ihm sicher. Eine Weltklasse-Ensemble-Leistung.


Martin Vögele, morgenweb, 19. November 2014

Ebenfalls in Weiß gekleidet, aber mit Totenschädel-artiger Schminke geziert, erscheint die ausführende Hand des Hausherren Il Maestro (Musiker und Komponist Matthias Flake im Pierrot-Ornat) zugleich als Personifizierung des Todes. Und doch ist es keine erdenschwere Traurigkeit, die in Ciullis Inszenierung das Szepter führt. "Ein komisch-musikalisches Unternehmen", so ist das Gastspiel des Theaters an der Ruhr am Ludwigshafener Theater im Pfalzbau untertitelt - ein Stück, das praktisch völlig ohne Worte auskommt, stattdessen mit pantomimischen, tänzerischen und eben hochmusikalischen Mitteln arbeitet. Es ist trotz der in der Tradition der "roten Zirkus-Clowns" sehr exzentrisch gezeichneten und vom Ensemble mit pointierter Grandezza gespielten Charaktere nicht brüllend komisch, nicht laut polternd und turbulent, was die Zuschauer in diesen 90 Minuten erleben. Sondern leise, subversiv, poetisch und behutsam: eine hintergründige, heiter-melancholische Clownerie im besten Sinne.


Horst Dichanz, Opernnetz, 29. Januar 2014

In einer ergreifend-komischen Szene werden die feine Dame und der pensionierte General an fröhliche Tanzzeiten erinnern, trauen vorsichtig, sich anzufassen und richten sich immer mehr aus den körperlichen Einschränkungen ihres Alters auf, um schließlich gar einen Walzer zu drehen, bis zum Umfallen eben. Jeder Ausbruchsversuch wird hier bestraft. Die von Matthias Flake zunächst auf dem Klavier eingespielte Musik zeichnet feine Gefühlslinien der Bewohner, unterstützt dann aber mit heftig lauter Einspielung und modernem Rhythmus die Revolution der Alten gegen die „gebündelte Sinnlosigkeit“ ihrer verordneten Umwelt. Die Aufführung ist eine Ensembleleistung, bei der es kaum möglich ist, einzelne Darsteller hervorzuheben. In seiner bevorzugten Rolle als Violinvirtuose darf Fabio Menéndez besonderen Beifall entgegen nehmen. Rupert J.Seidl gibt den Giganten Buono, den Pfleger mit hinreichend autoritärer Distanz, und der als Pianist tätige Weißclown Matthias Flake bleibt bis zum Schluss seiner Maske kühl und entrückt treu. Ciulli ist mit der Inszenierung dieser „Clownerie des Alters“ eine bitterböse, gleichwohl unterhaltsame Persiflage auf das Leben in einem Altenwohnheim gelungen, die er mit vielen originellen Spitzen würzt. Auch ihm gilt der herzliche, ausgiebige Beifall, als er zum Schluss, sein eigener Protagonist, einmal kurz die Bühne quert.


Marc Weinachter, Tageblatt, 10. Februar 2014

In einer herzhaften, humorvollen Pantomime lenkt Roberto Ciulli die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf das tägliche stereotype Geschehen in einem Pflegeheim. Pünktlich versammeln sich hier die pflegebedürftigen Insassen im Gemeinschaftssaal zu einer Zeit vertreibenden, leichten Beschäftigung. Alles unter der Aufsicht eines pedantisch streng wirkenden weißen Clowns mit sich langsam abzeichnender Totenmaske. Wie in tagtäglicher Realität erwiesen, ist aber nicht jeder ältere Mensch – ob körperlich oder geistig behindert – an diesen ihn oft nicht ansprechenden Aufgaben oder kindischen Spielen interessiert. Mit schalkhafter Spitzfindigkeit und in clownesker Poesie zeigt Ciulli, wie jeder versucht, seine Individualität und seinen Eigenwillen zu wahren und nachdrücklich zu behaupten. Die Szenen in stummer Pantomime dargebracht und mit passend tragisch-komischer Musik untermalt, belegen eindringlich die stets vorhandene, erneut aufkeimende Lebenslust dieser älteren oft schrulligen, aber umso liebenswerteren Leute, die trotz gebeugter Haltung, Schmerz und Demenz am Leben festhalten und auf ihre Persönlichkeit bestehen. Mit seinem hervorragend abgestimmten, wandlungsfähigen Ensemble gelingt es Roberto Ciulli vortrefflich, in vergnüglichem Commedia dell’arte Stil für ungebrochenen Lebenswillen, Respekt und Würde in allen Alterskategorien zu plädieren.


Angelina Spiegel, Location Magazin, 01. Januar 2014

Sprach man früher davon in Würde zu altern, geht heute eher der Wunsch einher, möglichst ewig jung zu bleiben. Doch durch Ciullis tragikomisch veränderte Perspektive der Situation verändert sich auch die Wahrnehmung: Betrachtet man sie mit den Augen eines Clowns, so wird Bitterkeit und Angst genommen. Das Theater an der Ruhr verspricht in der Tat nicht zu viel: „Clowns 2 1/2“ ist ein enorm komisch-musikalisches Unternehmen, hat reflektierenden Tiefgang, bietet inspirierende Musik des Theatermusikers und Folkwang-Dozenten Matthias Flake und wird sehr frisch mit Schauspielern in Höchstform auf die Bühne gebracht. Prädikat: Besonders sehenswert.


Rolf Pfeiffer, Westfälische Rundschau, 14. Oktober 2013

Die anarchische Hospitalisierung erleben wir als lustige Nummernrevue, zu deren Höhepunkten unbestreitbar eine gemeinsame Perkussion mit Pillendöschen und Wassergläsern gehört. Sicherlich ist diese neue Mülheimer Produktion eine Hommage an die klassische Clownskunst, darüber hinaus natürlich auch eine Auseinandersetzung des Theatermenschen Ciulli mit dem eigenen Älterwerden. „Clowns 2 ½“ zeigt, wie viele andere seiner Regiearbeiten, trotz zahlreicher burlesker Ausbrüche feinnerviges Ciulli-Theater, das durchaus das Grauen spüren lässt, das menschlichem Sein innewohnt und das auch in den krachkomischesten Momenten immer nahe ist. Das Publikum zeigte sich erwartungsgemäß begeistert.


Klaus Stübler, Ruhr Nachrichten, 11. Oktober 2013

Die 90-minütige, aus Improvisationen entstandene Folge heiterer, teils sehr poetischer Szenen wird getragen vom reichen mimischen und gestischen Repertoire der Schauspieler und der inspirierenden Musik von Pierrot Matthias Flake.


Jens Dirksen, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 2013

Zu den „weißen Clowns“ der Commedia dell’arte und der Pierrot-Schule gesellten sich bald die „roten Clowns“ mit den Riesenschuhen, der dumme August, die rüpelnden Proleten unter den Spaßmachern. All dies und noch viel mehr erzählt Roberto Ciulli, der ja nicht nur Regie-Zampano des Theaters an der Ruhr ist, sondern wahrscheinlich so viel über Clowns weiß wie sonst niemand weit und breit, im Programmheft zum neuen Stück „Clowns 2 1/ 2“. Ciulli hat es gemeinsam mit dem Theatermusiker und Folkwang-Dozenten Matthias Flake und einem sichtlich von Spielfreude beseelten Ensemble entwickelt – ein Divertimento von anderthalb Stunden ohne jede Theorie, eine heiterpoetische, pantomimische Theaterzerstreuung, die unter großem Jubel am Donnerstag uraufgeführt wurde.


Steffen Tost, Neue Ruhr Zeitung, 12. Oktober 2013

Es ist der Blick eines Clowns, mit dem das Theater an der Ruhr in seinem neuen Stück auf das Alter schaut. Es ist aber ein liebevoller Blick, der niemanden mit seinen Gebrechen bloß stellt. „Clowns 2 ½“ bietet 90 Minuten höchst unterhaltsames Theater voller Einfälle, mit viel Rhythmus, aber ohne Text. Der Clownsblick ermöglicht den Schauspielern alle Register zu ziehen, zu posieren, zu grimassieren. Die Spielfreude merkt man ihnen an. Stürmischer Applaus mit vielen Bravos. Das Publikum lacht von Beginn an. Kurz, ein Abend, den man nicht verpassen sollte.