Stimmen

Die Glasmenagerie

Achim Lettmann, Westfälischer Anzeiger, 21. März 2016

Gabriella Weber zeigt Laura voller Angst und Träume. Die Glasfiguren mit dem Einhorn stellt sie selbstversonnen auf. Ihr gelingen poetische Momente, wenn sie zur Moritatenmelodie aus der Spieluhr auf Krücken läuft und zu schweben scheint. Das ist berührend und atmosphärisch so dicht gespielt, dass es den Zauber von Tennessee Williams Erinnerungsarbeit freisetzt.


Britta Helmbold, RuhrNachrichten, 21. März 2016

Der überzeugende Albrecht Hirche als Sohn Tom ist der kommentierende Erinnerer, der Mosaiksteinchen von Krieg und Weltpolitik in den Bericht über das Familiengeschehen einbettet. Wie sein Vater floh er vor Schwester und Mutter aus der tristen Wirklichkeit - zunächst in die Traumwelt Kino, dann in die reale Welt. Viel Applaus für die witzig-pointiert ausgespielten Dialoge erntete das Mimen-Quartett bei der Premiere am Freitag.


Sven Westernstöer, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 21. März 2016

Im Wartesaal des Lebens hofft jeder auf ein Stück vom Glück: Regisseurin Simone Thoma zeigt Tennessee Williams Tragikomödie „Die Glasmenagerie“ am Mülheimer Theater an der Ruhr als nachdenkliches Kammerspiel mit bittersüßer Note – unaufgeregt und mit mildem Blick auf die Unausweichlichkeit des Vergänglichen. Regisseurin Thoma, die selber als Amanda zu sehen ist, geht mutig zu Werke: Statt in einem abgehalfterten Landhaus lässt sie das Stück in einer gottverlassenen Bahnhofshalle spielen. Der Schauplatzwechsel (Bühne: Adriana Kocijan) erweist sich als kluge Idee. Berührende Momente gelingen Gabriella Weber: Ihre Laura verbringt die Tage mit der Pflege ihrer Glastiere, der „Glasmenagerie“. Weber spielt die unterdrückte Verzweiflung ihrer Figur anrührend.


Thomas Emons, Neue Ruhr Zeitung, 21. März 2016

Kleines Bühnenbild. Große Bühnenpräsenz. Damit zogen Simone Thoma, Gabriella Weber, Albrecht Hirche und Klaus Herzog ihre Premierenzuschauer im Theater an der Ruhr in die Handlung von Tennessee Williams Sozialdrama „Die Glasmenagerie“ hinein und ließen sie bis zur letzten Sekunde des von Schauspielerin Simone Thoma inszenierten „Spiels der Erinnerung“ nicht mehr los. Nach zwei spannungsreichen Theaterstunden verlässt der Zuschauer das Bühnenhaus am Raffelberg mit der Erkenntnis, dass auch er, wie die 1944 von Tennessee Williams geschaffenen Charaktere, ein Teil des Spiels ist, in dem sich täglich Wunsch und Wirklichkeit begegnen und sein Leben prägen.