Stimmen

Die Trilogie der schönen Ferienzeit

Süddeutsche Zeitung 07. November 2001

„Eisiger Tauschverkehr, kochende Eifersucht, laue Langeweile, drückende Formenzwänge. Eine Herbst-Gesellschaft auf Winterreise durch Repression und Depression. So ungefähr ist das Klima in Roberto Ciullis Inszenierung am Theater an der Ruhr. Eine böse Partie Stadt Land Schluss. Zwischen Molièrscher Gesellschaftaftsphysiognomie, Marivauxs metaphysique du coer und Elias Canettis Hochzeits-Satire. Schneidend, gespenstisch grotesk oder sanft hintersinnig, wenn Leonardo und sein betuchter Schwiegerpapa Filippo an Don Camillo und Pepone erinnern. Und monströs. Ist das Monströse dann bis zur Durchsichtigkeit gebläht, erblickt man den Menschen. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht, ein Stich ins Herz.“                                                                                  


Frankfurter Rundschau 27. November 2001

„Die Bühne der Mülheimer Stadthalle hat Gralf-Edzard Habben mit Modepuppen ausstaffiert, der verwechselbaren Schaufensterästhetik von Boulevard-Bühnen nicht unähnlich. Die Zuordnung der Figuren in verschiedene Zeiten bringt ein Gemisch von historischen und modernen Kostümen (Dejan Radulovic) mit sich, dem die durchbrochene Spielweise der Schauspieler entspricht. Zwar bemühen sie sich in ihrer eifrigen Urlaubsvorbereitung um unterkühlte Contenance. Doch weicht der sachliche Theaterton immer weiter der Überdrehtheit im Stile der commedia dell’arte, deren prominentester Vertreter und Überwinder Goldoni war.“                                                                                  


Die Glocke 21. Januar 2003

„Gnadenlos wird dem Publikum der Spiegel vorgehalten. Goldoni offenbart die Oberflächlichkeit einer ganzen Gesellschaft. Sie amüsiert sich in ihrem Gelangweiltsein zu Tode. Wer mit wem ist nicht nur hierbei immens wichtig. Stichwort Mitgift. Denn schließlich könnte durch das ein oder andere Eheversprechen ein nettes Geldsümmchen die eigene Haut retten. Wahre Gefühle spielen keine Rolle mehr, Affekte werden unterdrückt und machen nichts als unglücklich. Diese beängstigende Trostlosigkeit vor, während und nach der verflichten Ferienzeit weiß Regisseur Roberto Ciulli vortrefflich in drei Akten zu inszenieren – kühl und distanziert mit Momenten der aufrichtigen Liebe und Verzweiflung gepickt. Ein Stück zum Nachdenken.“                                                                                  


Südkurier 07. Februar 2004

„Es ist ein Ensemblestück, ohne plakative Wirkung, das vielmehr, in Goldonis Stück, vom „Inneren“ lebt. Roberto Ciulli, der auch der Intendant des „Theaters an der Ruhr“ ist, brachte sehr wohl auch plakative Wirkungen mit ins Spiel. Ein großes Lob gilt den 15 Darstellern, die durchweg in bester Manier agierten. Ciullis Inszenierung strotzt nur so von guten Einfällen.“                                                                                             


Schwarzwälder Bote 07. Februar 2004

„Ein Spiegelbild der modernen Gesellschaft will die Inszenierung der „Trilogie der schönen Ferienzeit" des Rokokodichters Carlo Goldoni in der Bearbeitung von Roberto Ciulli auf die Bühne im Theater am Ring stellen. Es geht um Geld, Liebe und Urlaub, mithin durchaus zeitlose Themen. Die „Komödie“ ist eigentlich eine Satire auf Hochstapelei, Repräsentationsbedürfnis, Heuchelei und Abhängigkeit von der gesellschaftlichen Meinung. Eine schauspielerische Glanzleistung aller Beteiligten des Theaters an der Ruhr, die mit interessantem Bühnenbild (Gralf-Edzard Habben) sowie kontrastreich zusammengestellter Musik von Bach und Satie glänzt.“