Stimmen

DOÑA ROSITA ODER DIE SPRACHE DER BLUMEN

Harald Polenz, theater pur 01. Oktober 2005

„Und die großartige, ja wunderbare Simone Thoma durchlebt das Schicksal dieser spanischen Mädchen, der ledig gebliebenen, reinen Donnen, die „Opfer des sozialen wurden, das sie umgibt“. Als Doña Rosita flirtet sie mit ihrem Schöpfer, dem Jüngling Lorca (prächtig dargestellt von Albert Bork), will ihm einen Nagel in die Brust schlagen – als ahne sie sein Schicksal auf dem steinigen Berg von Viznar – und welkt doch dahin, ohne Hoffnung auf Aufmerksamkeit, von einer lähmenden Hoffnungslosigkeit eingewickelt wie ein Kokon.“


Günther Hennecke, Kölnische Rundschau 26. September 2005

„Eine Tragödie ohne Titel schwebte ihm vor. Es wurde eine von Poesie durchtränkte. Es wurde ein Abend, der das poetische Faszinosum wie die tragische Realität dieses Spaniers in blendende Bilder umsetzt. Verwebt Ciulli doch Lorcas tieftraurige Geschichte um die in sehnsüchtiger, aber nie gelebter Liebe dahin welkende Rosita mit dem Lebensweg ihres Autors. Dabei entsteht ein Geflecht, das in seiner fließenden Poesie und kühlen Zärtlichkeit, seinen melancholischen Bildern und fast zu Tableaus gerinnenden Szenen zu einer Hommage auf Liebe und Menschlichkeit wird. Untergangsvisionen mit dem Prinzip Hoffnung überzeugend zu verschmelzen, gelang Ciulli in seinen besten Arbeiten schon immer. Sie so spielerisch leicht auf die Bühne zu bringen, ist ihm gleichwohl nur selten geglückt. Jubelnder Applaus.“


Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung 26. September 2005

Es ist ein Spuk, den Ciulli auf nachtblauer Bühne entfesselt, mit viel Cello- und Klaviermusik: verfremdete andalusische Volksweisen, Kirchliches, reichlich Eric Satie. Matthias Flake, der Mann am Flügel, trägt dem Surrealismus des Abends zu Ehren eine Fischkopfmaske und gibt für jede Szene den Ton an.                                                                       


Andreas Rossmann, FAZ 28. September 2005

Auf der bildzitatreichen Bühne von Gralf-Edzard Habben entwickelt der Regisseur eine surrealistische Collage, in der die „Granadiner Dichtung“ zur düsteren Gespenstersonate wird: Alltag und Vorstellungswelt, Traum und Wirklichkeit, Offenkundiges und Unterbewusstes schieben sich wie in Bildern von Dalí und Magritte oder Filmen von Buñuel ineinander. So konzentriert und souverän entfaltet, war das in Mülheim lange nicht mehr zu sehen.                                                                                  


Rainer Hartmann, Kölner Stadt Anzeiger 27. September 2005

Es ist eine kühne, künstlerisch mitunter riskante Montage, die Ciulli und sein Dramaturg Helmut Schäfer mit und für García Lorca vornehmen. Sie führt weit weg vom zarten dramatischen Gespinst um Rosita und ihren Rosen züchtenden Onkel, um die Ordnung liebende Tante und deren derbe Haushälterin. Doch Regisseur Ciulli raut die Rosita-Handlung derart auf, dass der Zusammenhalt des knapp dreistündigen Abends nie bedroht ist.