Stimmen

ECONOMANIA

Klaus Stübler, RuhrNachrichten, 19. November 2014

Es ist eine endzeitliche Szenerie, die da in „Economania“ entworfen und von Roberto Ciulli vorgeführt wird. Bedingt wird sie durch unsichtbar bleibende, aber bedrohlich polternde Riesen. Wie schon bei Pirandello stehen sie für gewalttätig-totalitäre Machthaber. Überraschend tauchen dann in weiße Barockkostüme gewandete Schauspieler auf und proben die Szene mit den Handwerkern samt Feenkönigin Titania aus dem „Sommernachtstraum“. Sie schaffen es nicht nur, mit ihrem Spiel in den Müllbewohnern die Sprache und die Lebenslust neu zu wecken, sondern sie sind auch mutig genug, die Riesen selbst herauszufordern.


Britta Heidemann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 17. November 2014

Es ist eine Hommage an den Gezi-Aufstand ebenso wie die vielen anderen Momente der jüngeren Vergangenheit, in denen ein Volk mutig sagte: „Wir haben keine Angst.“ Die Wirkmacht der Angst und den Mut der Künste hat Luigi Pirandello einst in „Die Riesen vom Berge“ ausgelotet; Sertdemirs Drama setzt hier auf. Auch seine Riesen sind unsichtbar, und wieder sind es Schauspieler, die das Unmögliche wagen wollen: die Machtverhältnisse umzudrehen. Der sprachlichen Verständigung dient Recai Hallaç in der Rolle des „Gedächtnissklaven“, allerdings bedürfte es der Übersetzung kaum. Das Zusammenspiel zwischen deutschen und türkischen Schauspielern gelingt im staunenswerten Einklang und weckt noch einmal all die alten Träume vom schönen Miteinander der Kulturen. Dem Ensemble wurde es gedankt: mit sehr begeistertem Applaus.


Stefan Keim, Deutschlandradio Kultur, 14. November 2014

"Die deutschen und türkischen Schauspieler sind zu einem perfekt aufeinander abgestimmten Ensemble zusammen gewachsen. Der zweisprachige Recai Hallac, der das Stück auch übersetzt hat, bildet als "der Gedächtnissklave" so etwas wie das Scharnier der Aufführung. Nur sein Kopf mit schwarz geschminkten Augen und wild abstehenden Haaren ragt aus dem Müllberg heraus. Regisseur Roberto Ciulli schafft starke Stimmungen, der Musiker Matthias Flake untermalt die Bilder, indem er auf Gegenstände klopft und trommelt. Eine groteske, berührende Mahnung vor dem Verfall einer Kulturgesellschaft."