Stimmen

Peer Gynt

Trailer, Peter Ortmann, 27. Januar 2017

Maria Neumann und Roberto Ciulli zelebrieren das dramatische Gedicht als ein solches, atemlos hasten beide durch Rollen und Szenerien, wälzen sich auf Tisch und Bett, atemlos sitzen sie da, starr vor dem Berg aus Leben, den sie da hinaufsteigen müssen. Ein grandioses Duo, für das jedes Adjektiv zu gering erscheint. Beide sind alle und alles, und wenn es still wird, wird es besonders stark.


Andreas Rehnolt, theaterpur, 23. Januar 2017

Großartige und verzaubernde 95 Minuten gabs im Theater im Raffelbergpark zu erleben. Dabei kam die Inszenierung ohne viel Bühnenbild und Requisite und ganz ohne Kostüm-Wandlung der beiden Mimen aus. Ibsens-Dramengedicht, dass an großen Häusern mitunter im Bühnenbild unterzugehen scheint und manchmal 20 und mehr Personen auf die Bühne bringt, wird hier in einer faszinierenden Unaufgeregtheit von nur zwei Darstellern auf das Wesentliche zusammengeführt. Am Ende gab es verdienten, lauten und begeisterten Applaus im vollbesetzten Theatersaal für rund 95 pausenlose, beeindruckende Schauspielkunst und Spielfreude eines traumhaften Duos.


Klaus Stübler, Ruhrnachrichten, 21. Januar 2017

Zu sehen ist die Lebensgeschichte eines Gescheiterten in Schlaglichtern, wie sie in der Erinnerung des alten Peer Revue passieren und dabei den Fünfakter, dem Versmaß enthoben, im 90-minütigen Konzentrat wiedergeben. Dabei entstehen mit nur wenigen Requisiten große Theatermomente. Besonders berührend etwa Aases Sterbeszene: Ciulli trägt sie über die Schulter gelegt, wird beim gemeinsamen Ritt zum imaginären Königsschloss gleichsam zum Vater aus Goethes "Erlkönig"-Ballade. Ein starker, ein magischer Theaterabend.


Neue Ruhr Zeitung, Steffen Tost, 21. Januar 2017

Maria Neumann und Roberto Ciulli haben den norwegischen Faust auf den Kern reduziert. Sie konzentrieren sich auf Wort und Spiel. Sehr sehenswert. Diese Inszenierung von Peer Gynt durch Roberto Ciulli und Maria Neumann ist mit ihrem Minimalismus ein wohltuender Anachronismus. Sie konzentrieren sich auf den Kern des Stücks, den Ciulli „den Knochen“ nennt, denn alles andere würde nur ablenken.


Lars von der Gönna, WAZ 21. Januar 2017

Radikal rührend: Roberto Ciulli und Maria Neumann widmen sich in Mülheim dem Bühnenabenteuer „Peer Gynt“ – und meistern es mit Bravour. Die zwei könnten sich auch „Robinson Crusoe“ oder das Alte Testament vorgenommen haben – man könnte nicht wegsehen. Zu elementar ist, was da zwei Theatertiere aus sich selbst schöpfen. Ciullis satt italienisch gefärbtes Deutsch, sein Alter wohl auch, gibt dem Abend Abgeklärtheit, Maria Neumann zeigt sich einmal mehr als überwältigend starke Tragödin – doch wehe man griffe nach ihrem Mantel: Es ist ein Clownsgewand. Es ist ein großes Spiel um alles, geboren aus der Angst vor dem Nichts.


Friederike Felbeck, Nachtkritik, 20. Januar 2017

Es gehört zu den Geheimrezepten des Mülheimer Theaters an der Ruhr sich mit einem Stück so zu verabreden, als müsse man etwas endgültig klären. Dabei sind es oft Paraphrasen oder "nur" ein einzelner Akt von fünfen, den man dazu benötigt. Es werden Figuren verworfen oder miteinander vereint, Stücke eines oder verschiedener Autoren zu einem neuen verknüpft, voluminöse Textkörper durch einen Trichtertunnel geschickt, um am Ende eine Fassung ganz ohne Schnickschnack, ohne Schlenker zu gewinnen. Es bleibt nur das Wesentliche, der Kern. Dabei ist es vor allem Ciullis Fremdsprachigkeit, die den Texten zu einer besonderen Verdichtung verhilft. Wenn er als Aase dem eigenen Sohn finster entgegenblökt: "Aus dir hätte etwas werden können!", dann wirkt es so, als wäre der Konjunktiv in diesem Moment gerade erst erfunden worden. Als sich die beiden, nun Ciulli als Peer, an die geraubte Bauerstochter Ingrid erinnern, die er als reiche Partie vom Traualtar entführt und schändet, dekliniert Ciulli den Namen Ingrid als ein ganzes Spektrum sterbender Liebe: Begehren, Wut, Ekel und Gleichgültigkeit kann er aus diesen zwei Silben pressen, bis Maria Neumann als Ingrid weinend zu seinen Füßen liegt.