Bürger Schippel
Carl Sternheim
- Zurück
- Vor
-
Rupert J. Seidl, Steffen Reuber, Klaus Herzog
-
Rosmarie Brücher, Rupert J. Seidl
-
Ferhade Feqi, Rupert J. Seidl, Klaus Herzog
Sternheims BÜRGER SCHIPPEL, 1913 erschienen, gehört zu den sechs Komödien, denen der Autor den Titel „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ gab. Darin erlebt man den Aufstieg Paul Schippels vom verachteten Bastard einer kleinstädtischen Gesellschaft zu ihrem angesehenen Mitglied.
Was war geschehen? Das erfolgreiche Gesangsquartett des Goldschmieds Tilman Hicketiers musste den plötzlichen Tod seines Tenors beklagen. Einzig Schippel konnte ihn ersetzen, aber der Verkehr mit dem Proletarier erweckt in den Bürgern Grauen. Doch ihre Angst, durch Schippels Verhalten öffentlich brüskiert zu werden, wird von dem Wunsch besiegt, im bevorstehenden Gesangswettbewerb erneut die Palme zu erringen. Zuvor durchlebt Hicketier aber Qualen, seine geliebte Schwester Thekla hat sich mit dem Fürsten des Landstrichs eingelassen und ist schwanger. Schippel, dem er die Schwester anbietet, lehnt, schon ganz Ehrenmann, ab – einen Bastard will er sich nicht unterschieben lassen. Die Welt der sozialen Zugehörigkeiten ist durcheinandergeraten – die Bürger wähnen bereits das Gespenst der Anarchie vor ihren Augen.
Sternheim hat, trotz großer Ironie, einen durchaus positiven Begriff vom Bürger. Dessen legitimes Ziel sei es „Leben zu eigenem Nutzen und Frommen abzuweiden“, ein Vorgriff auf einen sich immer stärker ausbreitenden Hedonismus, dessen reale Gefahren bis heute sichtbar bleiben.