Stimmen

Dietholf Zerweck, Ludwigsburger Kreiszeitung, 17. März 2012

Es klingt nach Weiberhass und gnadenloser Intrige, und wer hier in der Ehe die Hosen anhat, daran besteht für sei wohl kein Zweifel. Am ende wird Adolf, dem Wahnsinn nahe, entmündigt, in eine Zwangsjacke gesteckt, stirbt am Infarkt. Ein Psychokrimi mit klarer Rollenverteilung? Die Aufführung des Mülheimer Theaters an der Ruhr im Forum zeigte Strindbergs Ehehölle-Tragödie vielschichtiger, differenzierter und sorgte für spannende eineinhalb Stunden.


Bettina Jäger, Ruhr Nachrichten 08. April 2008

Doch die Verhältnisse, sie sind in Mülheim nicht so, sondern viel raffinierter. Der junge Regisseur Thomas Peter Goergen, der schon mit La Leçon eine bemerkenswerte erste Inszenierung vorgelegt hatte, treibt das Paar in eine atemberaubende Zimmerschlacht. Ein modernes psychologisches Duell, in dem jede Kriegslist und jede Gemeinheit zuerst als vage Möglichkeit in der Luft zu schweben scheinen, jeder Verdacht aus zarten Andeutungen keimt und absurde Blüten treibt.(...)Elegant und heutig wirkt Petra von der Beek als Laura in ihren fließenden Kleidern, nie laut, immer leicht atemlos wie aus Angst vor der eigenen Courage. Manchmal verzweifelnd an ihrer eigenen Bösartigkeit, manchmal kalt in ihrer Siegesgewissheit. Nicht weniger brillant gibt Albert Bork den Mann der Wissenschaft. So klug so selbstsicher – und doch unterschätzt er die Macht der Gefühle auf verhängnisvolle Weise.

 


Helmut Krebs, Nachtkritik 07. April 2008

Goergen beginnt in einer zeitlos wirkenden Atmosphäre präzis einstudierter Gesten, unterkühlten Sprechens. Seine Hauptfigur, der von Albert Bork dargestellte Rittmeister, ist Zentrum des ersten und letzten Aktes, dazwischen die Peripetie, in der der Hausherr mit dem Verdacht auf seinen getrübten Geisteszustand bis hin zur Androhung der Entmündigung konfrontiert wird.Seine Antagonistin, die eigene Ehefrau, versteht es, stets die Zügel in der Hand zu halten. Petra von der Beek gibt sie mit tiefer menschlicher Einfühlung, weniger als Teufelin, mehr als in ihrem instinktiven festen Willen verfangen.


Jens Dirksen, Neue Ruhr Zeitung 07. April 2008

Goergen weidet sich nicht sonderlich am Geschlechterkampf. Durch kluge Kürzungen und eine geschickte Personenführung legt er vielmehr die soziale Mechanik hinter dem Ehedrama frei, das gegenseitige Aufschaukeln der Parteien im häuslichen Krieg – und was da zugrunde liegt, die unter allem lauernde Angst vor der wirtschaftlichen Deklassierung, die schwankenden Rollenbilder von Männern und Frauen, die so gar nicht mit der Wirklichkeit da draußen übereinstimmen, all das trägt das Stück in Goergens Formung ins Heute.

 


Wolfgang Platzeck, WAZ 07. April 2008

Die wunderbare Petra von der Beek, die am Theater an der Ruhr die Rittmeister-Gattin in Strindbergs Trauerspiel Der Vater spielt, gibt der psychischen Veränderung, die bei der Mahnung des Doktors in Laura vorgeht, auch beklemmenden physischen Ausdruck.Es ist eine unbekannte, eine neue Laura, die der junge Regisseur Thomas Peter Goergen in seiner hochatmosphärischen, psychologisch bis ins Detail stimmigen Strindberg-Deutung, auf die Bühne des Raffelberg-Parks gebracht hat. Ein packender, 105 Minuten kurzer Abend und großes Schauspielertheater.