Nur eine Scheibe Brot / Der Müll, die Stadt und der Tod / Blut am Hals der Katze
FASSBINDER
Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Helmut Schäfer
Bühnenbild: Thomas Hoppensack
Kostümbild: Heinke Stork
Lichtgestaltung: Ruždi Aliji
Regiemitarbeit: Thomaspeter Goergen
Regieassistenz: Khosrou Mahmoudi

In Fassbinders Dramen sind die Nachwirkungen des Faschismus als soziale Verwerfungen der 60er und 70er Jahre spürbar. Diese scheinen heute aktueller auf als man es zur Zeit ihrer Entstehung für möglich hielt. Dass die bundesrepublikanische Gesellschaft ihr Versprechen sozialer Gerechtigkeit nicht einlöst, bestimmt dabei das Verhältnis der von Fassbinder entworfenen Figuren: Dem Frost der Wirklichkeit ausgesetzt, mühen sie sich ums Überleben.

Aus diesem Spannungsfeld heraus stellt sich der Regisseur Hans Fricke in dem Stück "Nur eine Scheibe Brot" die Frage, ob das unsägliche Leid in den Konzentrationslagern filmisch überhaupt darstellbar ist. Ist er als Regisseur eines Films zu diesem Thema nicht gezwungen, eine Haltung einzunehmen, die der der SS-Schergen vergleichbar ist? Adorno wies darauf hin, dass Kunst häufig mit dem Grauen paktiere und in der Gefahr stehe, vom schlechten Anderen infiziert zu werden. Diese Selbstthematisierung des Künstlers in seinen Abhängigkeiten – vor allem auch den ökonomischen – zieht sich wie ein roter Faden durch Fassbinders Film- und Theaterschaffen hindurch.

Immer wieder thematisiert er zudem die Zerstörung sozialer und politischer Zusammenhänge, die die bundesdeutsche Gesellschaft bis heute prägen. "Der Müll, die Stadt und der Tod" ist ein Stück, das die Öffentlichkeit skandalisierte und das bis heute in Deutschland eigentlich ungespielt ist. Genauso wie "Blut am Hals der Katze" verhandelt der Text an sich einen Verfall der Kommunikation. Dieser verweist auf eine Rohheit, die der fortschreitenden Ökonomisierung der Lebenswelt entspringt, und die auch das Recht als den zentralen Garant ziviler Verhältnisse außer Kraft zu setzen vermag.