WOODY ALLEN
GOTT
Inszenierung: Roberto Ciulli
Dramaturgie: Helmut Schäfer
Bühnenbild: Gralf-Edzard Habben
Kostüme: Klaus Arzberger , Heinke Stork
Regiemitarbeit: Markus Schlappig

Ein Autor und ein Schauspieler, ungefähr 500 Jahre v. Chr., streiten sich über den Ausgang eines Stücks, das sie beim Athener Dramen-Festival aufführen möchten. Da sie jedoch nur in einem anderen Stück spielen, in dem von Woody Allen, begeben sie sich bald in einen Dialog mit dem Publikum, das sich auch als erfunden erweist. Fiktion und Wirklichkeit sind derart miteinander vermittelt, daß beide in ihrem Anspruch, Kunst beziehungsweise Realität zu sein, bestritten werden. Die Lösung ist nur noch technisch möglich: ein Erfinder bietet dem Autor, welchem auch immer, eine Schlußmaschine an, mit der Zeus stets am Ausgang der Stücke einfliegt. Da jedoch die Maschine, die auf dem Höhepunkt des Dramas eingesetzt wird, versagt, stranguliert sich der einschwebende Zeus, Gott ist tot.

Gegenüber Woody Allens Texten bleibt der, der verstehen will, immer der Dumme, da sie sich in fast panischer Angst immer wieder neu entziehen. Nicht nur die fortschreitende Aufhebung der jeweils neu ins Spiel gebrachten Ebenen, die stets den Anspruch, Realität zu sein, erheben, irritiert den Rezipienten; auch die bewußte, fast regressive Verwendung sogenannter komischer Elemente, die zu den ödesten Kalauern herabsinken, und keiner wird einem erspart, macht die Texte rätselhaft. Da wehren sich seine Figuren gegen jegliche Art der Bestimmung, kämpfen mit all den Ansprüchen, die die Kulturindustrie zur Etikettierung der Künste produziert hat; ein Autor, der nur ein Schauspieler ist in dem Stück des Autors Woody Allen, weiß für sein Stück keinen Schluß und der telefonisch befragte Originalautor bescheinigt nur, er wisse ihn auch nicht, man möge ihn doch über den Ausgang des Abends informieren.

Jegliche Muster, die antiken wie neuzeitlichen, zur Anleitung der künstlerischen Produktion sind verloren, es gibt weder positive noch negative Konfliktlösungen, es gibt keine wirklichen Konflikte mehr, da dies die Konfrontation verschiedener Interessen voraussetzte; doch die Ausbildung von Interessen ist in einer von rasanter Verselbständigung bestimmten Welt unmöglich geworden. Was zu beschreiben bleibt, ist die anarchische Struktur einer Gesellschaft, für den New Yorker Woody Allen ein Potpourri von McDonalds Restaurants und prätentiösen Philosophemen, allein zum Zweck der erzwungenen physischen wie psychischen Selbsterhaltung.

Woody Allen, Jahrgang 1935, ist einer der wichtigsten Filmemacher und steht in der Tradition der Marx-Brothers und Charlie Chaplin. Sowohl in seinen literarischen Materialien als auch in seinen Filmen seziert er mit aggressiver Komik die gesellschaftlichen Bedingungen heute, die das Glück verstellen, auf das all seine Figuren doch ausgehen. Die List der Vernunft, wohl eins mit dem Komischen, erzwingt jedoch stets Resultate, die über den Köpfen der Menschen entstehen und diese zu ohnmächtigen Abziehbildern eines anonymen Ganzen degradieren, das sich nur mit anarchischen Humor noch überleben lässt.