Repertoire

Helden

Ewald Palmetshofer
Dauer: ca. 110 Min.

Eine glückliche Familie: Mutter Doris, Papa Wolfgang, Tochter Judith und Sohn David – alle haben alles und allen geht es gut. Doch unter der Oberfläche der schönen heilen Wellness-Welt wächst die Sehnsucht nach der Verwandlung, einem anderen, heroischen Leben – nach Helden !

Die Wohlstandswelt wird zur einsamen Schaumstoffzelle. Jeder Schlag prallt ab, jeder Schrei verhallt in virtueller Leere. Das Leben wird zur Projektion: Spiderman und Catwoman – eine irrwitzige Welt zwischen Kitsch und Gewalt, hetero-homo- Metrosexuellem und politischem Begehren, Familie und Bomben, Comic und Wirklichkeit.

Die hochmusikalische, von Dialekt inspirierte Kunstsprache Palmetshofers legt in irrwitzigen Dialogkaskaden und zersplitterten Monologen eine gewalttätige Komik des Alltags frei. Sie wird zum Ausdruck der Paradoxien einer Generation, die von der Systempleite überzeugt ist und raus will »aus dieser emotionalen Umlaufbahn um sich selber«.

Ewald Palmetshofer, 1978 in Österreich geboren, wurde in der Kritikerumfrage von »Theater heute« zum Nachwuchsautor 2008 gewählt. Sein Stück »hamlet ist tot. keine schwerkraft« wurde im selben Jahr zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.

Stimmen

Christiane Enkeler, Deutschlandradio 22. März 2009

Palmetshofers kunstvoll verstümmelte Figurensprache entwickelt eine Dynamik, die einen erhellenden Kurzschluss nach dem anderen produziert. Das Ganze wirkt wie eine Jekyll-and-Hyde Version, besonders gruselig, weil man nicht mehr weiß, wo die gesunde Jekyll-Seite ist. Gerade im kaum Fassbaren, liegt das Faszinierende, Diskussionswürdige an Palmetshofers Stück.

Andreas Rossmann, FAZ 24. März 2009

Ewald Palmetshofer hat mit „Helden“ ein Theaterstück über die Kinder der antiautoritären Erziehung geschrieben: junge Leute, die ein diffuses Ungenügen am Leben spüren, aber nicht einmal formulieren können, was sie so anödet, aber heraustreten wollen aus den Verhältnissen, und zwar sofort, heroisch und Knall auf Fall. Petra von der Beek als gewitzt manierierte Doris, Klaus Herzog als integrationswilliger Langsammerker Wolfgang, Albana Agaj als hysterische Judith in silbernen Leggings unterm Tüllröckchen und Fabio Menéndez als amokläufiger David in lila Sportjacke, dazu Simone Thoma als metrosexueller Pauli mit mannequinhaften Posen spielen prägnante Karikaturen, und das wunderbar leicht.

Team

Suzana Schönwald
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