Stimmen

Martina Schürmann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung 21. September 2010

Statt auf befreiendes Lachen setzte die Regie vor allem auf die beklemmende Atmosphäre dieser sinnesfeindlichen Glaubenswelt und ihrer verdrucksten Scheinheiligkeit. Man erlebt einen tattrigen Gottvater, der dem ewig nackerten Cherubim nachstellt, Christus, der sich gelangweilt die Nägel lackiert und Maria, die das Wort Wollust nur röcheln kann. Ein perfider Deal mit dem Teufel soll die irdischen Unzüchtigen strafen – und beschert der Menschheit am Ende die Syphilis.


Steffen Tost, NRZ 17. September 2010

Kindesmissbrauch ist der Ausgangspunkt für Oskar Panizzas Satire „Liebeskonzil“, die verwoben mit der Pfarrhauskomödie von Heinrich Lautensack am Theater an der Ruhr Premiere feierte. Aber kann Missbrauch komisch sein? Es ist das Lachen der Unterdrückten über die Herrschenden, kein Lachen über die Opfer. Und zudem spielt das Ensemble frisch und unverkrampft.


Stefan Keim, Deutschlandradio 15. September 2010

Die Szenen der "Pfarrhauskomödie" hat Dramaturg Helmut Schäfer so geschickt mit Panizzas "Liebeskonzil" ineinander montiert, dass der neue Text wie aus einem Guss wirkt. Wer nicht weiß, dass es sich um zwei Stücke handelt, merkt es wahrscheinlich gar nicht. Dass sie sprachlich sehr unterschiedliche Sphären spiegeln, erklärt sich ja schon am Unterschied der Schauplätze, von Himmel und Erde. Volker Ross spielt Gott mit der lauernden Gefährlichkeit eines angeschossenen Diktators, der weiß, dass seine Macht schwindet und sich deshalb gewissenlos an ihr fest krallt. Die Schauspieler erzählen von Menschen im Würgegriff einer zynischen Gottfamilie, eines Glaubens, der lediglich Herrschaftsinstrument ist. Damit führen sie die Aufführung über die antikatholische Provokation hinaus.


Annette Kiehl, Soester Anzeiger 17. September 2010

Das Mülheimer Theater an der Ruhr hat Lautensacks „Pfarrhauskomödie“ und Panizzas „Liebeskonzil“ zu einem Stück miteinander verflochten. Thomaspeter Goergens Inszenierung „Das Liebeskonzil“ verbindet so clowneske Komödie und durchaus ernsthafte Kritik zu einem satirisch zugespitzten Abend. Die Verbindung der „Pfarrhauskomödie“, mit der Heinrich Lautensack 1911 seine persönlichen religiösen Konflikte ausdrückte, und Oskar Panizzas lange zensiertem „Liebeskonzil“ von 1894 funktioniert weitgehend wunderbar und logisch, bleibt teilweise aber auch rätselhaft.