Pichet Klunchun ist Choreograph und Meister des thailändischen Khon-Tanzes. Er pflegt den jahrhundertealten, traditionellen Stil als zeitgenössische Kunst und unterrichtet junge Tanzer in der von ihm gegründeten LifeWork Company in Bangkok.
In Nijinsky Siam beschwört er einen anderen Meister, den legendenumwobenen Ausnahmechoreographen Vaslav Nijinsky. Dieser tanzte mit den Ballets Russes an der Pariser Oper, an der er 1912 mit Nachmittag eines Fauns auch als Choreograph debütierte. Die umstrittene Aufführung erhielt europaweite Aufmerksamkeit und gilt als Geburtsstunde des modernen Balletts.
Pichet Klunchun stieß auf Bilder der Vorstellung. Kostüme und Posen erinnerten ihn stark an den traditionellen Khon. Tatsachlich hatte Nijinsky 1910 das Gastspiel einer siamesischen Tanzgruppe in Sankt Petersburg gesehen. Doch nicht warum, sondern wie Nijinsky ihre Gestensprache kopiert hat, möchte Pichet Klunchun nun von seinem toten Kollegen wissen. Mit traditionellen Nang Yai-Lederpuppen werden die Geister der Tänzer des Fin de Siècle wieder zum Leben erweckt. Die Schatten der Puppen verbinden sich mit den Bewegungen der drei Khon-Tänzer und schaffen Raum für eine außergewöhnliche Begegnung zwischen Asien und Europa.
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