Titus Andronicus

William Shakespeare

Hätten die Italiener die „Commedia dell`Arte“ noch nicht erfunden, so läge uns mit Shakespeares Titus Andronicus das erste Stück dieses Genres vor Augen.

Es ist bekannt, daß das elisabethanische Publikum sich gerne an den Greueltaten erfreute, die die Theater ihnen auf der Bühne zeigten. Mit Titus Andronicus folgte Shakespeare diesem Bedürfnis und treibt es in die absurdesten Höhen. Der erfolgreichste Feldherr Roms, Titus, kehrt nach dem Sieg über die Goten heim, im Gefolge hat er Tamora, die Gotenkönigin und deren Söhne. Einer davon wird von Titus geschlachtet, als Rache für seine gefallenen Söhne. Saturninus wird von den Senatoren zum neuen Kaiser gewählt und heiratet die mitgeschleppte Gotenkönigin. Tamora nutzt die neue Stellung als Kaiserin zur Rache und ihr Geliebter Aaron, Tamoras schwarzer Kumpan und Liebhaber, ist ihr Vollstrecker. Es beginnt ein Schlachtfest, an dessen Ende kaum einer überlebt und der Untergang Roms besiegelt scheint. Alle zivilisatorischen Anstrengungen scheinen außer Kraft gesetzt und die Welt versinkt in das Dunkel des Mordens. Der clowneske Gestus, mit dem Shakespeare arbeitet - am Ende erscheint Titus als Koch mit den zu Pastete verarbeiteten Söhnen Tamoras - bewahrt in diesen absurden Bildern doch die Idee einer anderen Humanität.