JALILA BACCAR/FADHEL JAÏBI
Violence(s)

Gastspiel des Théâtre National Tunisien, Tunis - in arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Der Regisseur und Autor Fadhel Jaibi ist international nicht nur der renommierteste Theatermacher Tunesiens, sondern einer der führenden Köpfe der arabischen Theaterwelt. Dies gilt mittlerweile in entsprechender Weise auch für das tunesische Nationaltheater, dem Jaibi seit nun mehr zwei Jahren äußerst erfolgreich vorsteht. Im Zentrum der Inszenierungen Jaibis und seiner kongenialen Partnerin, Protagonistin und Autorin Jalila Baccar stehen - über all die Jahre ihrer Zusammenarbeit - immer wieder Reflektionen über den Zustand Tunesiens und seiner Gesellschaft. Der Titel seiner im vergangenen Herbst im Mailänder Piccolo Teatro uraufgeführten Produktion deutet einen neuen, dramatischen Befund an: Während "Violence" im Singular schlicht "Gewalt" bedeutet, kann man den Plural des Wortes mit "Gewaltätigkeiten" übersetzten. Der Titel verweist also sowohl auf den Zustand der Verrohung der tunesischen Gesellschaft, wie auch auf die alltäglichen, immer wieder auch blutigen Gewalttaten im Lande, die häufig gar nicht mehr in der ausländischen Presse gemeldet werden. Doch auch wenn das Stück in seiner Aneinanderreihung von Verbrechen und Hasstaten den Anschein einer (fiktiven) Chronik erweckt, dann bohrt sich doch von Szene zu Szene die Schraube tiefer in die Seelen der Figuren. Es geht Jaibi um die Schattenseite des Menschen, um das unterdrückte, gewalttätige Andere in uns allen, um den Hass und diese dünne Schicht der Zivilisation, die so leicht zu durchstossen ist und den Menschen zum Monster werden lassen kann...

Anschließend Foyer-Gespräch mit Fadhel Jaibi, Jalila Baccar und dem Kriminologen Professor Dr. Christian Pfeiffer, Niedersächsischer Innenminister a.D.