Rüdiger Suchland
Volx-Filmabende #3 - Hitlers Hollywood

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„Alte Filme zu sehen heißt auch einen Kontrollgang durch seine eigene Vergangenheit machen“ (Siegfried Kracauer)

HITLERS HOLLYWOOD ist ein Dokumentarfilm von Rüdiger Suchsland aus dem Jahre 2017 und erzählt erstmals von der dunkelsten und dramatischsten Periode deutscher Filmgeschichte. Zum hundertsten Geburtstag der Ufa erinnert die Dokumentation an diese Filme und ihre Stars: Hans Albers, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Ilse Werner, Marianne Hoppe, Gustaf Gründgens, Leni Riefenstahl und viele mehr. Über 1000 Spielfilme wurden in den Jahren 1933-1945 in Deutschland hergestellt. Bei den wenigsten handelt es sich um offene Propaganda. Aber noch weniger, der im Nationalsozialismus produzierten Filme, sind harmlose Unterhaltung. Das nationalsozialistische Kino war staatlich gelenkt. Zugleich wollte es „großes Kino“ sein. Eine deutsche Traumfabrik.

Sprache: deutsch Dauer: 101 Minuten Eintritt: frei

"Schon wieder ein Film über die Nazis? Das kennt man doch schon alles" - so antwortete ein Freund, dem ich von diesem Projekt erzählte. Wirklich? Ich habe sehr wenig gewusst, als ich mit den Recherchen anfing, denn bis auf ein paar vermeintlich harmlose Filme, die schon früh im Fernsehen liefen, und die paar "verruchten" Werke, die man in Sondervorführungen im Kino sah, ist dieses Kino vergessen, und schamhaft verdrängt. Vielleicht aus guten Gründen. Aber es lebt weiter in unserem Unterbewussten.

Die Beschäftigung mit diesen Filmen war wie ein Selbstversuch mit dem NS-Kino: Was gefällt mir daran, was berührt, was geht mir nahe? Was mich interessiert hat, war einen Film zu machen, der diese Erfahrung widerspiegelt. Einen Film, der auf diese Filme mit offenem Blick schaut, ohne die Schwierigkeit dieses Unterfangens zu vergessen. Ich wollte meine Fragen, manchmal auch meine Unsicherheit und mein Unbehagen mit den Zuschauern teilen. Darum sollte es kein didaktischer Film im schlechten Sinn werden, der so tut, als wüsste ich auf alles eine Antwort. Aber es sollte ein Film sein, der den Zuschauern etwas zutraut: Klugheit und selbstständiges Denken, und der neugierig macht, sich mit diesen Filmen noch einmal neu zu beschäftigen, sie in ihrer Ambivalenz zu sehen. So richtig und wichtig es ist, den Nationalsozialismus politisch und moralisch zu betrachten, versteht man ihn, glaube ich erst dann wirklich, wenn man ihn auch als ästhetisches Phänomen versteht. Denn Film war für die Nazis das wichtigste Medium, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Die Nazis inszenierten ihre Ideologie, verpackten sie in Illusionen, hinter Fassaden und Kulissen. Das wollte ich zeigen. Denn der Blick in die Vergangenheit erlaubt uns, von der Gegenwart zu sprechen. Nicht nur Propaganda und Manipulation, Demagogie und Fanatismus sind aktuell, auch die Sehnsüchte, die unerfüllten Träume und die Weltfluchtreflexe, die sich in diesen Filmen zeigen.

Neueste gefährliche Entwicklungen in Deutschland, die mich empörende zunehmende Zustimmung zu faschistischen Ideen und rechtsextremen Parteien, legen eine weitere Frage nahe: Könnte uns die Beschäftigung mit Propaganda deren Mechanismen in der Gegenwart bewusster machen? Viele der NS-Filme sind "Wölfe im Schafspelz": Unter dem Kleid unpolitischer Unterhaltung maskiert sich Unmenschlichkeit und Gewalt. Natürlich wiederholt sich die Geschichte, wenn auch nicht identisch, sondern in Variationen. Und natürlich kann man aus der Geschichte etwas lernen. Man muss es allerdings auch wollen. (Rüdiger Suchsland, Regisseur)