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Woyzeck

Frei nach Georg Büchner - Eine Überschreibung von Glossy Pain

Eingeladen zu Westwind 2024, eines der renommiertesten  Theaterfestivals für junges Publikum.
 

Marie und Margret sind beste Freundinnen – sie teilen eine Wohnung und ihr Leben, auch wenn Franz Woyzeck, ihr Nachbar, dazukommt und sich in Marie verliebt. Marie und Woyzeck – eine Liebe, die zwei sehr unterschiedliche Menschen zusammenführt und die sich dann verschiebt, fast unmerklich, stumm – bis sie in roher Gewalt endet. Marie, Margret und Woyzeck – die Geschichte eines Beziehungsgeflechts, die unsere Vorstellungen von Liebe, Freundschaft und Fürsorge befragt.

Diese Woyzeck-Überschreibung rückt die Perspektive auf den Alltag und die Lebenswelt junger Menschen und stellt dabei die wesentlichen Fragen, die schon in Büchners ambivalenter Woyzeck-Figur von 1836 angelegt sind. Heute sind sie aktueller denn je: Was lässt Männer zu Tätern werden? Nach welchen Vorstellungen von Beziehungen leben wir? Ist eine andere Sprache als die der Gewalt möglich?

Ein junges Team um die Regisseurin Katharina Stoll (vom Berliner Theaterkollektiv Glossy Pain) schreibt kollektiv eine Neufassung dieses Klassikers der deutschen Theaterliteratur und erfindet ihn mit Blick auf die weiblichen Dramenfiguren neu – bildreich, musikalisch, spielerisch.

Die Fassung wurde geschrieben von: Amanda Babaei Vieira, Constanze Fröhlich, Riah Knight, Katharina Stoll und Joshua Zilinske.

 

Warnung: In der Inszenierung werden großflächige Videos mit schnellen Schnitten und Lichtimpulsen eingesetzt, die bei Menschen mit Epilepsie photosensitive epileptische Anfälle auslösen können.

 

Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, in Kooperation mit dem FFT Düsseldorf.

Wir danken Natascha Knieriem mit Ijsbel und Zoo Zajac für die freundliche Genehmigung und Unterstützung der Dreharbeiten.

Informationen

Premiere

03. Februar 2023, 19:30 Uhr

Ort

Theater an der Ruhr
Akazienallee 61
45478 Mülheim an der Ruhr

Besetzung

Team

  • Katharina Stoll
    Regie
  • Hannes Gwisdek
    Musik / Komposition / Sounddesign
  • Riah Knight
    Musik/Komposition
  • Sebastian Pircher
    Video
  • Wicke Naujoks
    Bühne und Kostüm
  • Heinke Stork
    Kostüme
  • Bekim Aliji
    Requisite
  • Constanze Fröhlich
    Dramaturgie
  • Wisam Atfah
    Regieassistenz
  • Julia Boxheimer
    Regieassistenz
  • Hannah Köhler und Lara Marquardt
    Abendspielleitung und Übertitelung
  • Ines Thöle
    Hospitantin

Einführung Woyzeck

Ein Gespräch zwischen der Regisseurin Katharina Stoll und der Dramaturgin Constanze Fröhlich.

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  • CBplayer 1.7.0

Stimmen

Sascha Westphal, nachtkritik:

„Für diese unterschiedlichen Formen von Liebe und Wärme, Zärtlichkeit und Nähe findet Katharina Stoll immer wieder eindrucksvolle Theaterszenen. (…) Indem die Inszenierung Gefühle des Glücks, der Liebe und der Zusammengehörigkeit so überaus wirkmächtig heraufbeschwört, etabliert sie ein Gegenmodell zu der toxischen Beziehung zwischen Marie und Woyzeck. Ein Modell, das einem sehr deutlich sagt, dass es nicht so kommen muss, wie es Büchner einst niedergeschrieben hat.“

 

Martin Krumbholz, Süddeutsche Zeitung:

„Am Schluss der originellen, klugen „Woyzeck“-Überschreibung von Glossy Pain am Theater Mühlheim an der Ruhr steht eher beiläufig die Frage im Raum, ob für den eifersuchtskranken Mörder mildernde Umstände in Anschlag gebracht werden können. (…) Die Arbeit des jungen, mehrsprachigen Kollektivs um die Regisseurin Katharina Stoll zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Komplexität des Sujets nicht verringert – gerade auch, weil sie sich an ein heranwachsendes Publikum richtet.“

 

Cornelia Fiedler, Theater Heute:

„Der Abend lebt von seiner klaren Haltung und der zeitgenössischen Leichtigkeit. Dass man den alten „Woyzeck“ dennoch vermisst, weil jene Faszination fehlt, die wir in Täter:innen hineinlesen, ist bitter. Allerdings mehr für uns als Gesellschaft als für Glossy Pain, die mit ihrer Inszenierung einen selbstbewussten Beitrag zur notwendigen Diskussion über den Kanon leisten.“

 

Andrea Müller, WAZ:

„Einen büchner’schen Büchner bekommt man nicht zu sehen, aber ein Stück Theater, das viele Themen des Autors aufgreift und wichtige Textpassagen aus dem Original geschickt mit selbst verfassten Dialogen verbindet. In vielen Szenen wird die Handlung jugendgerecht vorangetrieben. Videoeinspielungen fangen glückliche und intime Momente ein. Was ist Liebe? Was erwarten junge Menschen von Beziehungen? Was geschieht, wenn die Vorstellungen dazu auseinandergehen? (…) Dieser „Woyzeck“ ist für junge Menschen gedacht. Er übersetzt den nicht immer geliebten Abi-Stoff in ihre „Sprache“. Das kann dazu beitragen, das Fremdeln mit Hochkultur abzubauen. Der Applaus bei der Premiere war riesig.“